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Es geht normalerweise beschaulich zu, wenn in
Pattaya /
Thailand die
zweite oder dritte Liga des Frauentennis aufspielt. Doch in diesen ersten
Februartagen ist alles ganz anders in dem malerischen Touristenstädtchen -
nicht zuletzt für den erfahrenen Journalisten Barry Wood, einen Intimkenner
des Wanderzirkus, der bei dem kleinen Event schon seit Jahren als Pressechef
fungiert.
Wo
noch vor kurzem die verheerende Flutwelle in Asien wütete und sich
üblicherweise beim Tennis allenfalls ein paar unerfahrene lokale
Berichterstatter drängeln, wird nun eine regelrechte Medieninvasion
erwartet. Eine halbe Hundertschaft Reporter, alle internationalen
Fotoagenturen, dazu noch Fernsehteams von allen Kontinenten - sie alle
wollen die Rückkehr einer jungen Frau in Augenschein nehmen, die schon mit
dem aufreibenden Leben im Tennisgeschäft abgeschlossen hatte. "Martina
Hingis und ihr Comeback", sagt Wood, "das ist eine Story mit magischem
Touch."
Eigentlich wollte Gewinnerin von fünf Grand-Slam-Turnieren in Thailand
nur Geld für Kinderhilfsprojekte einspielen und in einem Wohltätigkeitsmatch
antreten. Doch die leise Hoffnung, nach der Überwindung ihrer schweren
Fersenverletzung doch noch einmal im Konkurrenzkampf der WTA-Tour mitmischen
zu können, hat die selbstbewußte Schweizerin nun resolut ins reguläre
Turnierfeld getrieben. Heute abend "nach Sonnenuntergang" (Ortszeit), wie
Wood etwas pathetisch sagt, wird die 24 Jahre alte Hingis im vorerst
spektakulärsten Match des gesamten Wettbewerbs auf die Deutsche Marlene
Weingärtner treffen, die Nummer 74 der Weltrangliste." Ich fühle mich
gerüstet", sagt Hingis vor ihrer ersten offiziellen Partie seit dem 10.
Oktober 2002 in Filderstadt und ihrem 3:6, 1:6 gegen die Russin Jelena
Dementjewa. Schon seit Mitte vergangener Woche hat die einst eleganteste
Frau im Tennis ihr Trainingscamp in Thailand aufgeschlagen - begleitet von
Mutter Melanie Molitor und Manager Mario Widmer.
Penibel hat sich Hingis in den vergangenen Wochen daheim in der Schweiz
auf das Comeback in der Peripherie des kleinen Pattaya vorbereitet - in der
Halle von Mutter Melanie schwitzte und schuftete die langjährige
Weltranglistenerste, während die früheren Weggefährtinnen bei den Australian
Open in Melbourne um die erste Grand-Slam-Trophäe der Saison kämpften.
Schon vor Weihnachten war Hingis, die ehedem jüngste Nummer eins in der
Tennisgeschichte, bei diversen Doppelschaukämpfen in Spanien angetreten -
mit "sehr starken Leistungen", wie der ehemalige Profi Emilio Sanchez als
Beobachter notierte. Am Rande der Australian Open machten auch Expertinnen
wie Martina Navratilova der Schweizerin Mut für ihr Comeback: "Sie wäre eine
willkommene Bereicherung für das Frauentennis. Und eins ist klar: Sie hat
das Spielen nicht verlernt"", sagte die Amerikanerin.
Wie ernst es Hingis mit einer Rückkehr über den Testfall Thailand hinaus
ist, das hat sie noch gänzlich offen gelassen. "Sie wird schauen, ob das als
Beruf wieder Sinn macht. Oder ob die Zeit und die Qualität im Frauentennis
doch über sie hinweggegangen sind", sagte die frühere Weltklassespielerin
Pam Shriver aus den USA. "Sie hat in jedem Fall die Erfahrung, das genau zu
analysieren und notfalls auch Nein zu sagen."
Der Moment für eine Rückkehr wäre indes nicht schlecht gewählt: Neben den
paar schlagstarken Russinnen und Grand-Slam-Gewinnerin Serena Williams (USA)
verfügt die Profiorganisation WTA gegenwärtig über wenig vorzeigbare
Repräsentantinnen. So ist derzeit nicht einmal ausgemacht, ob die
Belgierinnen Kim Clijsters und Justine Henin-Hardenne je wieder an alte
Stärke anknüpfen können - ganz zu schweigen von der desolat auftretenden
Venus Williams, deren Ruhm endgültig zu verwelken droht, oder der ständig
verletzten Französin Amelie Mauresmo.
Von Mauresmo war im übrigen nicht zufällig der einzig abweisende
Zwischenruf zu Hingis' Wiederkehr zu vernehmen. "Darüber rede ich nicht",
sagte Mauresmo kühl. Vielleicht, weil sie vor einigen Jahren von der zarten
Schweizerin als "halber Mann" bezeichnet worden war.
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